Schlafen ist unverzichtbar für unser Leben. Dem einen gelingt das besser, dem anderen schlechter. Aber wie genau schlafen wir gut? Wir haben nachgefragt bei Dr. Maja ­Hennigs, Oberärztin an der Lungenklinik Lostau und Leiterin des dortigen Schlaflabors..


Maja Hennigs ist Oberärztin an der Lungenklinik ­Lostau und Leiterin des dortigen Schlaflabors. Im Interview verrät sie, wie lange man schlafen sollte, wie man guten Schlaf trainieren kann und was man tun kann, wenn der Partner schnarcht.

Bild: Die Lungenklinik Lostau hat in Sachsen-Anhalt über-regionale Bedeutung für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Atmungsorgane und des Brustkorbes.

Frau Dr. Hennigs, wie gut und wie viel schlafen Sie?
Tief und fest, aber zu wenig – nur fünf bis sechs Stunden.

Das kann man nicht pauschal sagen. Es gibt Langschläfer und Kurzschläfer. Wichtig ist, dass die Tagesleistungsfähigkeit erhalten bleibt. Und: Für einen erholsamen Schlaf sollten alle Schlafstadien durchlaufen werden.

Zuerst verfallen wir in einen Leichtschlaf. Dann folgen der Tiefschlaf und der sogenannte REM-Schlaf, in dem das Gehirn sehr aktiv und die Skelettmuskulatur im Gegenzug dazu vollständig erschlafft ist. In dieser Phase träumen wir am intensivsten. Während der Nachtruhe sinken Körpertemperatur, Puls und Blutdruck etwas ab. Der Körper lädt sozusagen seinen Akku wieder auf.

Statistiken zufolge im Schnitt sieben Stunden. Das ist allerdings individuell unterschiedlich und hängt vom eigenen Befinden und der Leistungsfähigkeit am nächsten Tag ab. Wenn zum Beispiel ein Kurzschläfer sein ganzes Leben lang mit vier Stunden Schlaf auskommt, ist das akzeptabel.

Durch Erschöpfung und Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit. Man fühlt sich nicht mehr leistungsfähig.
Einen regelmäßigen Tagesablauf. Und die Nacht, die zum Schlafen da ist. Der Mensch ist nun mal ein biologisches Wesen mit Tag- und Nachtrythmus. Das heißt, er reagiert auf Licht und auf Dunkelheit. Nur, dass äußere Einflüsse dieses natürliche Gleichgewicht immer mehr aushebeln. Ich denke da an das 24-Stunden-Fernsehprogramm. Oder an die Computertechnik, die insbesondere zahlreiche junge Menschen oft nächtelang an Handy oder PC hält. Fakt ist: Wer sich am Tag nicht mehr leistungsfähig fühlt, sollte seinen Tagesablauf kritisch hinterfragen.

Durchaus. Ruhige Bedingungen zum Schlafen sind wichtig. Genau wie frische Luft und nicht zu warme Temperaturen. Ins Bett gehen sollte man, wenn man müde ist. Wer abends so lange vor dem TV sitzt, dass er dabei einschläft, dann wach wird und ins Bett geht, schläft eher schlechter. Zudem braucht unser Körper zum Schlafen Dunkelheit. Das Schlafhormon Melatonin, das für einen gesunden Schlaf sorgt, wird etwa nur bei Dunkelheit ausgeschüttet.

Auch da gibt es kein Allgemeinrezept. Manche Menschen können nur schlafen, wenn sie irgendein Geräusch neben sich haben. Die stört das Schnarchen nicht. Wenn man allerdings ständig im eigenen Schlaf unterbrochen wird und die Leistungsfähigkeit darunter leidet, muss man etwas ändern. Unter Umständen sind das dann eben getrennte Schlafzimmer. Oder man schickt den Partner zum Arzt, um Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen.

Schnarchen ist Ausdruck eines engen oberen Atemweges. Ob es auch Ausdruck einer Atmungsstörung ist, bei der es zu Sauerstoffmangel im Körper kommen kann, muss untersucht werden. Sauerstoffmangel zerstört den normalen Schlafablauf. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt an, wir werden wach. Von Atmungsstörungen sind in Deutschland drei bis sieben Prozent der Männer und zwei bis drei Prozent der Frauen betroffen.
Bei Erschöpfung und Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit empfehle ich, den Hausarzt oder einen niedergelassenen Facharzt zu konsultieren. Der kann eine ambulante Polygraphie veranlassen, mit der sich mögliche Atemaussetzer im Schlaf feststellen lassen. In dem Fall schickt Sie der Facharzt zu uns ins Schlaflabor. Messen wir eine gewisse Anzahl von Atemstillständen pro Stunde, können wir zum Beispiel eine Atemhilfe für den Schlaf anpassen. Mit dem kleinen Gerät und über eine Maske im Gesicht wird Druckluft auf die oberen Atemwege geleitet, um sie offen zu halten. Das verhindert die Atempausen und letzten Endes das Schnarchen. Der Patient fühlt sich schnell deutlich besser.
Achten Sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf – mit ruhiger Tätigkeit kurz vor dem Schlafengehen. Ein Spaziergang ist gut. Auf schwere Mahlzeiten sollten Sie drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen verzichten. Gleiches gilt für Alkohol. Der vermittelt zwar das Gefühl, man könne dann besser einschlafen, aber das Gläschen zu viel beeinträchtigt die Schlafqualität. Und Sex, ja probieren Sie es doch mal am Morgen, wenn beide Partner gut geschlafen haben!