Ines Illig schaut seit über 40 Jahren in die Sterne – und gibt ihr Wissen gern an andere weiter.


Richtig dunkel – so mag es Ines Illig am liebsten. „Dann sieht man besser, was sich da oben am Himmel alles tummelt“, sagt die 55-Jährige. „Und das ist eine ganze Menge.“ Die Planeten Venus, Mars, Jupiter und Saturn zum Beispiel. Durchs Fernrohr lassen sich auch Uranus, Neptun oder Pluto entdecken. Seit über 40 Jahren schaut die Burgerin mit ungebrochener Leidenschaft in den nächtlichen Himmel. Spannend sei der Blick in den Nachthimmel schon deswegen immer wieder, weil man – abhängig von der Jahreszeit – stets etwas anderes entdecken könne. Mit insgesamt 88 Sternbildern, verteilt auf die Nord- und die Südhalbkugel, gibt es für Sternengucker auf jeden Fall reichlich Auswahl.

SPAZIERGANG ÜBER DEN STERNENHIMMEL

„Mein Hobby habe ich kurzerhand zum Beruf gemacht“, erzählt die Astronomie- und Physiklehrerin der Clausewitz-Schule in Burg. Vier Stunden wöchentlich unterrichtet sie im Planetarium, das in der Einstein-Schule untergebracht ist, oder führt Veranstaltungen durch. Und dann ist da ja auch noch der Verein Astronomisches Zentrum Burg e. V., dem sie seit vielen Jahren angehört. Auch der nutzt das Planetarium für Veranstaltungen. „Wer Interesse hat, kann sich bei uns melden. Wir halten Spannendes für jedes Alter bereit.“ Zum Beispiel einen Spaziergang über den Sternenhimmel mit spannenden Sagen zu den Sternenbildern.

DIE SONNE – GLEICH UM DIE ECKE

Ines Illig erinnert sich noch an ihre allererste Veranstaltung, die sie in dem kleinen Kuppelraum mit dem ZKP1 (Zeiss Kleinplanetarium 1) durchgeführt hat. „Ich war 17 und meine Gäste, eine Gruppe Lehrlinge, nur geringfügig älter. Alles junge Kerle, die ich für das, was die Erde umgibt, begeistern sollte.“ Dass unser Stern, die Sonne, 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und damit nach Maßstäben des Universums quasi gleich um die Ecke liegt, sei nur schwer vorstellbar. „Wir erklären es mit der Geschwindigkeit des Lichtes. Bis zum Mond ist das Licht etwa eine Sekunde unterwegs. Bis zur Sonne sind es acht Minuten und bis zum nächsten Stern braucht es mehr als vier Jahre.“ Die Lehrlinge damals hat sie jedenfalls mit ihrem Wissen begeistert. Und dafür gab es zum Abschied sogar ein kleines Geschenk. „Das habe ich tatsächlich immer noch und halte es in Ehren.“

DER HASE IM MOND

Heute treffen wir Ines Illig im Planetarium mit Kindern aus der Kita Regenbogen. Die haben jede Menge Fragen im Gepäck: Was ist ein schwarzes Loch? Wo kann man sonst noch leben? Warum können wir nicht zur Sonne fliegen? Ines Illig vermittelt ihnen Fachwissen als kleine Geschichte. Die zwei Hauptakteure: der Fisch und der Adler. Die suchen das Licht und wollen gemeinsam zur Sonne fliegen. Zuerst aber lässt Illig die Sonne untergehen. Die Kids staunen. Im Dunkeln erscheinen die ersten Sternschnuppen. Ein echtes Highlight. „Da könnt ihr euch etwas wünschen, ihr müsst aber wissen, dass diese Wünsche nur in Erfüllung gehen, wenn ihr auch daran glaubt“, erklärt sie schmunzelnd. Dann zeigt sie den Sechsjährigen den Nachthimmel. „Ich beginne immer mit dem Großen Wagen, den man zu jeder Jahreszeit sehen kann.“

DEMUT ERZEUGEN

Aha-Effekte erzeugt sie im Übrigen ebenso bei Erwachsenen. „Ich animiere sie: Richten Sie einfach einmal gezielt den Blick gen Himmel und schauen Sie genauer hin. Sie werden staunen, was es dort alles zu entdecken gibt.“ Auch ist es Ihr und dem Verein wichtig, neben der Wissensvermittlung Demut zu erzeugen, „dafür, dass wir nur ein ganz kleines Teilchen von einem sehr großen Ganzen sind und die Erde schützenswert ist. Eine andere haben wir nicht zum Leben.“

WENN DIE DUNKELHEIT VERSCHWINDET

Schade findet Illig, dass es Nachts vielerorts nicht mehr richtig dunkel wird. Vor allem in den Städten lassen Außenbeleuchtung in Haus und Garten, Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen und Co. den Himmel hell. „Wir verschmutzen den Himmel mit Licht. Das stört nicht nur uns Astronomen. Auch Fledermäuse und viele Insekten brauchen die Dunkelheit.“
Ihr Lieblingssternbild? „Der Orion. Ein eindrucksvolles Gebilde am Winterhimmel, um das sich viele Sagen drehen.“ Ihr Lieblingsort, um in die Sterne zu gucken: der Sternenpark Westhavelland, eine lichtarme, sternenreiche Region. Hier sitzt sie gerne mit Freunden am Lagerfeuer. Und wenn die sagen, du Ines, erklär mal, was wir heute sehen, dann braucht die begeisterte Astronomin keine zweite Aufforderung.