Die Großtrappe gilt als stark bedroht. Im Fiener Bruch ist sie dank gemeinsamer Bemühungen von Vogelschützern und Landwirten heimisch.


Frühmorgens im Jerichower Land. Auf dem Königsroder Hof am Rand des Fiener Bruchs kräht ein Hahn, Hennen gackern, Schafe blöken. Ansonsten herrscht absolute Stille. In der Ferne weiden Rinder, während ein leichter Windzug über die ausgedehnten Wiesen streift und das Gras in große Wellen versetzt. „Weitläufigkeit ohne Bäume und hohe Hecken, flaches Grasland so weit das Auge reicht – genau so mögen es unsere Schützlinge“, sagt Naturschützerin Anna Marinkó vom Förderverein Großtrappe e. V., mit der wir heute verabredet sind, um diese großen, aber scheuen Vögel zu beobachten. Großtrappen sind mit einer Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Metern imposant und zählen weltweit zu den schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt. Allerdings sind die braun-weiß gefiederten Steppenvögel in vielen europäischen Ländern inzwischen ausgestorben oder akut bedroht. Auch in Deutschland sind die Vögel selten geworden. Von ehemals 30 Gebieten, in denen Großtrappen zu finden waren, sind laut Bundesumweltministerium nur drei übriggeblieben: das Havelländische Luch, die Belziger Landschaftswiesen und das Fiener Bruch.


Aus Kraft und Licht gewoben
Es war die Großtrappe, die Anna Marinkó nach Deutschland lockte. „Ich habe im Nationalpark Bükk, im Nordosten Ungarns, meine Masterarbeit angefertigt. Dort lebten nur noch 15 dieser Prachtexemplare“, erzählt die gebürtige Ungarin auf dem Weg zum nahegelegenen Beobachtungsturm. Mit einem Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt kam sie 2012 nach Deutschland, um hier den Großtrappen nachzuspüren. Während Anna Marinkó ihr leistungsstarkes Fernrohr aufbaut, erklärt sie: „Wer Großtrappen sehen will, muss einen Abstand von 300 bis 400 Metern einkalkulieren. Weniger akzeptieren die Vögel nicht.“ Vorsichtige Beobachter werden besonders in der Balzzeit ab Ende März bis Mitte Mai mit einem einzigartigen Schauspiel belohnt. Die Hähne geben nämlich alles, wenn es darum geht, die Mutter ihrer künftigen Nachkommen von sich zu beeindrucken. Tänzelnd strecken sie ihre weißen Hälse in die Höhe, plustern ihr üppiges Gefieder auf und lassen es in der Sonne leuchten. „Ich bewundere die Kraft und Wildheit, die von den Trappen ausgeht. Wenn sie balzen, sind sie wie aus Licht gewoben“, schwärmt Anna Marinkó. Nach dem Balzspektakel gehen die Hähne ihrer Wege und überlassen den Hennen das Ausbrüten und Aufziehen der Küken.


In die Mutterrolle geschlüpft
Vor sieben Jahren kam Anna Marinkó ins Fiener Bruch, wo sie sich seither gemeinsam mit ihren Vereinskollegen um das Wohlergehen der Trappen kümmert. Dazu gehört auch die Auswilderung der in Brutkästen geschlüpften Küken. „Großtrappenküken brauchen ihre Mütter, die sie füttern und ihnen den Weg ins Leben weisen. Diese Rolle übernehmen wir an dieser Stelle – gehüllt in ein minzgrünes Ganzkörperkostüm, das die Küken seit ihrer Geburt kennen“, beschreibt Marinkó das Vorgehen. So verhindern die Vogelschützer, dass sich die Küken zu sehr auf den Menschen prägen. Während der dreimonatigen Auswilderungsphase gehen Anna Marinkó und ihre Kollegen jeden Tag mehrere Stunden mit den Jungvögeln spazieren. Die kleinen Trappen sollen so lernen, alleine Futter aufzunehmen und Gefahren zu erkennen.


Streifen erwünscht
Außerhalb des 19 Hektar großen eingezäunten Schutzbereichs werden nicht nur Fressfeinde wie Marder und Fuchs den Tieren gefährlich. „Die größte Bedrohung für die Art liegt darin, dass ihr Lebensraum schrumpft“, klärt Anna Marinkó auf. Die Vögel fänden auf den landwirtschaftlichen Monokulturflächen einfach nicht genügend Nahrung. Helfen würden allerdings bereits Grünstreifen, die die Landwirte bei der Bewirtschaftung ihrer Felder stehen lassen. Die Expertin ist sich sicher: „Die Erhaltung der Großtrappe funktioniert langfristig nur, wenn wir ihren Lebensraum erhalten.“ Eine Aufgabe, die nur gemeinsam angepackt und gelöst werden kann.

Weitere Informationen, unter anderem auch dazu, weshalb die Großtrappen so gefährdet sind finden Sie unter: https://www.grosstrappe.org/

Förderverein Großtrappenschutz e.V.

Schon seit ihrer Kindheit übt die Großtrappe auf Anna Marinkó vom Förderverein Großtrappe e.V. eine besondere Faszination aus.

Seit 2015 kümmert sich Anna Marinkó um die Großtrappen im Fiener Bruch.